aquadrat · Modernes Arbeiten · Sept 2026
Modernes Arbeiten · Datenmanagement 2.0

Unser Handwerkszeug
fürs Büro von morgen

Wir prüfen, welche Rechenleistung nötig ist, um KI-Werkzeuge im eigenen Haus zu betreiben. Diese Folien stellen vier Varianten nebeneinander – mit Zahlen, Quellen und offenem Ausgang.

Worum geht es?
Um ein Programm, das Texte liest und schreibt – ähnlich wie ChatGPT, aber auf unserem eigenen Rechner statt bei einem Anbieter im Internet.
Warum im Haus?
Gutachten, Netzpläne und Kundendaten dürfen bei vielen kommunalen Auftraggebern vertraglich keine fremde Cloud berühren. Lokal betrieben stellt sich die Frage nicht.
Was ist offen?
Solche Programme brauchen eine leistungsfähige Grafikkarte. Welche – und ob gekauft oder gemietet – ist die Frage, um die es hier geht.
Die Folien 2 bis 6 erklären, wovon Geschwindigkeit und Qualität abhängen. Folie 7 stellt die vier Varianten mit belegten Preisen gegenüber, Folie 8 ordnet sie nach Anforderungen ein. Eine Empfehlung enthält dieses Dokument bewusst nicht.
HINTERGRUND Warum diese Frage jetzt ansteht⌄

Frei verfügbare KI-Modelle haben 2026 ein Niveau erreicht, auf dem sie im Ingenieurbüro praktischen Nutzen stiften – Normrecherche, Berichtsentwürfe, Protokolle, Auswertungen. Parallel dazu schließen immer mehr kommunale Auftraggeber die Verarbeitung ihrer Daten in US-Clouds vertraglich aus.

Wer beides verbinden will, muss die Modelle selbst betreiben. Die offene Frage ist nicht mehr, ob sich das lohnt, sondern auf welcher Grundlage.

01 · Bedarf

Was soll die KI bei uns tun?

Ohne Bedarf keine sinnvolle Hardwarefrage. Diese Aufgaben kommen bei uns realistisch in Betracht, geordnet nach Anspruch.

✉
E-Mails, Protokolle, Aktennotizen
Entwürfe formulieren, Besprechungen zusammenfassen
einfach
📖
Normen und Regelwerk durchsuchen
DVGW, DIN, TRWI – Fragen an tausende Seiten stellen
mittel
📊
Technische Berichte vorbereiten
Hydraulikergebnisse einordnen, Textbausteine erzeugen
mittel
⚖
Varianten vergleichen, Widersprüche finden
Plausibilitätsprüfung, Argumentation für Gutachten
anspruchsvoll
🔗
Mehrstufige Abläufe automatisieren
Daten holen, prüfen, aufbereiten, dokumentieren
anspruchsvoll
Zwei Randbedingungen prägen alles Weitere: Die Daten sollen das Haus nicht verlassen. Und es bleibt voraussichtlich nicht bei ein oder zwei Nutzern – taugt das Werkzeug, wollen bald mehrere Kollegen gleichzeitig damit arbeiten.
02 · Modelle

Für jede Anspruchsstufe gibt es eine Modellgröße

KI-Modelle unterscheiden sich in der Anzahl gelernter Parameter, angegeben in Milliarden („B"). Vereinfacht ist das ihre Berufserfahrung – sie entscheidet, welche der Aufgaben von eben ein Modell zuverlässig löst.

7B
Techniker, 2. Jahr
Zügig und verlässlich bei klar umrissenen Aufgaben.
E-Mails · Protokolle
14B
Projektleiter
Versteht Fachsprache, ordnet Zusammenhänge ein.
Normrecherche · Berichte
34B
Sachverständiger
Erkennt Widersprüche, argumentiert belastbar.
Variantenvergleich
70B
Senior-Ingenieur
Denkt in Systemen, erkennt ungenannte Anforderungen.
Konzepte · Automatisierung
Der Tagesbetrieb liegt nach heutiger Einschätzung bei 14B bis 34B. Die anspruchsvollen Fälle – Gutachtenlogik, mehrstufige Abläufe – verlangen 70B. Wie oft diese Fälle auftreten, lässt sich vorab nur schätzen.
DETAIL Woher diese Einordnung stammt⌄

Die Zuordnung folgt gängigen Fachbenchmarks für Sprachverständnis und logisches Schließen. Der Sprung von 7B auf 14B bringt vor allem besseres Verständnis von Fachsprache, der Sprung auf 70B vor allem Verlässlichkeit bei mehrstufigen Schlussfolgerungen.

Größer ist dabei nicht automatisch besser: Ein 70B-Modell für eine Terminbestätigung einzusetzen, kostet unnötig Rechenzeit. In der Praxis läuft es auf einen Mix hinaus – kleines Modell für Routine, großes für die Fälle, die es rechtfertigen.

03 · Speicherbedarf

Große Modelle brauchen viel Speicher – oder einen Trick

Ein Modell muss vollständig in den Grafikspeicher passen. In Originalauflösung überschreitet ein 70B-Modell jede bezahlbare Karte. Deshalb wird es verkleinert.

Ohne Verkleinerung
Ein 70B-Modell belegt rund 140 GB. Das erfordert mehrere Karten der obersten Preisklasse.
Mit Verkleinerung („Q4")
Dasselbe Modell belegt rund 43 GB – bei etwa 96 % der ursprünglichen Qualität. Es passt damit auf eine einzelne Karte.
Der Maßstab des Bauplans
Verkleinern heißt: Die internen Zahlen des Modells werden gröber gerundet – so wie aus einem CAD-Plan eine Werkstattzeichnung wird. Alle bemaßungsrelevanten Angaben bleiben erhalten, die überflüssige Nachkommastelle entfällt. Der Monteur baut trotzdem richtig.
Für die Beschaffung heißt das: 140 GB sind nicht nötig. Rund 48 GB Grafikspeicher decken auch die höchste Anspruchsstufe ab. Die Frage nach der Speichergröße ist damit beantwortet – die nach der Geschwindigkeit noch nicht.
DETAIL Wieviel Qualität kostet das Verkleinern?⌄

Die gängige Stufe Q4 behält etwa 96 % der Ausgangsqualität bei einem Drittel des Speicherbedarfs. In Blindvergleichen bei Textaufgaben ist der Unterschied für Anwender kaum erkennbar.

Stärkere Verkleinerung (Q2) halbiert den Bedarf nochmals, kostet aber messbar Zuverlässigkeit. Die volle Auflösung wiederum ist vor allem beim Trainieren eigener Modelle relevant, weniger beim Anwenden.

04 · Geschwindigkeit

Was das Tempo bestimmt

Für jedes einzelne Wort einer Antwort liest die Maschine das gesamte Modell einmal durch den Speicher. Wie schnell das geht, heißt Speicherbandbreite. Sie ist die wichtigste Kennzahl – und steht in Datenblättern selten vorn.

Speicherdurchsatz der vier Varianten
DGX Spark128 GB
273
RTX PRO 500048 GB
1.344
RTX PRO 600096 GB
1.792
Mietserver96 GB
1.792
Angaben in Gigabyte pro Sekunde · Herstellerspezifikationen
Speichergröße und Tempo sind zweierlei
Viel Speicher bestimmt, welches Modell hineinpasst. Die Bandbreite bestimmt, wie schnell es antwortet. Ein Gerät kann beim einen vorn liegen und beim anderen hinten.
Was daraus folgt
Bei einem 70B-Modell ergeben sich rechnerisch rund 4 Wörter pro Sekunde beim DGX Spark und 26 bis 36 bei den Workstation-Karten. Flüssiges Lesen beginnt bei etwa 15.
BELEG Unabhängige Messwerte und Sonderfälle⌄

Das Forschungsteam LMSYS misst am DGX Spark mit einem 70B-Modell 2,7 Wörter pro Sekunde bei einem einzelnen Nutzer. Andere Tests kommen je nach Modell und Software auf 3 bis 5.

Bei einer besonderen Modellbauart („Mixture of Experts") erreicht derselbe Spark 35 bis 50 Wörter pro Sekunde, weil pro Wort nur ein Bruchteil der Daten gelesen werden muss. Zudem liest er lange Dokumente sehr schnell ein und ist das günstigste Gerät am Markt, um eigene Modelle zu trainieren.

Die Werte hängen also stark davon ab, welche Modellart eingesetzt wird und ob es ums Anwenden oder ums Trainieren geht.

LMSYS · Messreihe DGX Spark

05 · Mehrbenutzerbetrieb

Wenn mehrere gleichzeitig arbeiten

Teilen sich Kollegen ein Gerät, verteilt sich das Tempo. Der Regler zeigt, was rechnerisch pro Person bleibt. Die gelbe Marke ist ein Orientierungswert für flüssiges Lesen.

Gleichzeitige Nutzer
4
DETAIL Wie diese Werte zustande kommen⌄

Grundlage ist die Speicherbandbreite geteilt durch die Modellgröße, abzüglich eines Praxisabschlags. Serversoftware bündelt Anfragen, sodass die Gesamtleistung mit mehreren Nutzern steigt – der einzelne Nutzer erhält entsprechend weniger.

Es handelt sich um Größenordnungen, nicht um Garantien: Die Werte schwanken je nach Software, Länge der Anfragen und Modellwahl. Die Rangfolge folgt aus einer physikalischen Größe und bleibt davon unberührt.

06 · Varianten

Vier Varianten im Überblick

Preise deutscher Anbieter, geprüft am 17. September 2026 und über die Links tagesaktuell nachvollziehbar.

Kompaktgerät
NVIDIA DGX Spark
4.800 € einmalig
Speicher 128 GB
Durchsatz 273 GB/s
70B-Tempo ~4 W/s
Stand nicht lieferbar
Workstation-Karte
RTX PRO 5000 Blackwell
7.499 € einmalig
Speicher 48 GB
Durchsatz 1.344 GB/s
70B-Tempo ~26 W/s
Stand lieferbar
Workstation-Karte
RTX PRO 6000 Blackwell
14.890 € einmalig
Speicher 96 GB
Durchsatz 1.792 GB/s
70B-Tempo ~36 W/s
Spanne bis 18.000 €
Miete · Deutschland
Hetzner GEX131
889 € / Monat netto
Speicher 96 GB
Durchsatz 1.792 GB/s
70B-Tempo ~36 W/s
Laufzeit monatlich
RTX PRO 5000 · Preisverlauf
Jun 5.700 €▸Aug 6.500 €▸Sep 7.499 €
+ 32 % in drei Monaten
RTX PRO 6000 · Preisverlauf
Aug 12.900 €▸Sep 14.890 €
+ 15 % in vier Wochen
Mietpreis · Verlauf
Jun 889 €▸Aug 889 €▸Sep 889 €
unverändert
KONTEXT Warum die Kaufpreise derzeit steigen⌄

Der weltweite KI-Ausbau hat eine Speicherknappheit ausgelöst. NVIDIA hat den Preis der RTX PRO 6000 seit Markteinführung mehrfach angehoben, insgesamt um rund 87 %. Auch der DGX Spark wurde im Februar 2026 aus demselben Grund von 3.999 auf 4.699 US-Dollar verteuert.

Mietpreise sind von dieser Entwicklung bislang nicht betroffen, da die Anbieter ihre Hardware vor der Verteuerung beschafft haben. Wie lange das so bleibt, ist offen.

ComputerBase · Preisentwicklung

07 · Einordnung

Welche Variante zu welcher Lage passt

Keine der vier Varianten ist allgemein besser. Sie unterscheiden sich darin, welche Anforderung sie am besten bedient. Die Übersicht ordnet zu, ohne zu gewichten.

Der Bedarf ist noch unklar
Modellgröße und Nutzerzahl noch nicht bestimmt
Miete
Kein Kapital binden
Laufende Kosten statt einmaliger Investition
Miete
Daten dürfen kein fremdes Rechenzentrum berühren
Auch kein dediziertes in Deutschland
SparkPRO 5000PRO 6000
Begrenztes Budget, Modelle bis 34B
Tagesbetrieb abdecken, 70B nur gelegentlich
PRO 5000
Viele gleichzeitige Nutzer, große Modelle
Sechs oder mehr Kollegen parallel
PRO 6000Miete
Eigene Modelle trainieren statt nur anwenden
Anpassung auf unsere Normen- und Netzdaten
Spark
Sehr große Spezialmodelle lokal starten
Über 100 Milliarden Parameter, Sonderbauart
Spark
Dauerlast über 18 Monate und mehr
Gerät wochenlang ausgelastet
PRO 5000PRO 6000
Schwankende, projektweise Last
Auslastung nur während bestimmter Vorhaben
Miete
Zur Größenordnung: Der Kaufpreis einer RTX PRO 6000 entspricht rund 17 Monaten Miete, der einer RTX PRO 5000 rund 8 Monaten. Beide Karten lassen sich später um eine zweite ergänzen.
OFFEN Was diese Vorlage nicht beantworten kann⌄

Wie häufig die Werkzeuge tatsächlich genutzt werden und welche Modellgröße sich im Alltag durchsetzt, lässt sich vorab nicht belastbar bestimmen. Beide Größen bestimmen jedoch maßgeblich, welche Variante wirtschaftlich trägt.

Belastbare Antworten liefert nur ein Probebetrieb über einige Wochen – unabhängig davon, auf welcher Grundlage er stattfindet.